Freifunk als Mitmachprojekt

Freifunk ist ein Projekt, das von Bürgern für Bürger ist. Es geht einerseits darum, seine Infrastruktur mit anderen zu teilen, aber auch darum, sein Wissen, seine Expertise und sein Know-How zu teilen. Es gibt in letzter Zeit viele Diskussionen darüber, ob Freifunk den Zweck der Gemeinnützigkeit erfüllt. Hinter Freifunk steckt mehr Arbeit, als einfach irgendwo einen Router aufzustellen und dann purzelt da irgendwie Internet heraus. Wer hätte es gedacht? Wir haben ein vielfältiges Spektrum an Arbeiten, die verrichtet werden wollen. Da wir ein Projekt sind, das von seiner Natur aus - zugegebermaßen - eher technisch Begeisterte anspricht, sind viele der Arbeiten sehr technisch. Das liegt aber weniger daran, dass es keine designerischen, kreativen oder politischen Aufgaben gibt, sondern mehr daran, dass wir wohl doch alle gerne das machen, was wir am besten können. Da bleibt gerne mal die politische Arbeit oder das Design einer neuen Webseite links liegen. Wir versuchen jedoch immer unser Spektrum zu erweitern und machen das bisher (wie ich finde) auch ganz gut. Aber es gibt immer Dinge zu tun. Freifunk kann nur funktionieren, wenn sich Menschen engagieren.

Deshalb brauchen wir Dich.

Wir brauchen dich

Du hast Lust dem Projekt etwas zurückzugeben? Das kannst du nicht nur, indem du einen Router aufstellst oder Serverinfrastruktur betreust, sondern auch mit zahlreichen anderen Aktivitäten. Schon mit Kleinigkeiten kannst du das Freifunkprojekt voranbringen. Im folgenden haben wir versucht die unterschiedlichen Aufgaben etwas in Profile zu gruppieren, damit du direkt sehen kannst, dass wir dich brauchen. Überspringe die nächsten Überschriften, die nicht dein Profil beschreiben. Lese da weiter, wo du denkst, dass du dich am meisten angesprochen fühlst. Und falls du keine der Profile erfüllst, dann komm doch trotzdem mal zu einem Treffen und wir finden gemeinsam bestimmt eine Möglichkeit, wie du dem Projekt helfen kannst.

Du willst dich nicht vom Sofa bewegen?

  • Diskutiere mit anderen, wie das Internet der Zukunft aussehen kann
  • Berichte über Fehler im Chat
  • Mache Verbesserungsvorschläge auf der Mailingliste
  • Sprich mit Freunden über Freifunk
  • Spende dem Projekt
  • Poste Erfahrungen auf Facebook

Du bist Netzwerker oder politisch interessiert?

Gemeint sind hier (ausnahmsweise) nicht die Netzwerker im Sinne der Informatik, sondern Menschen, die gerne soziale Kontakte pflegen, mit einem Facebookpost viele Menschen erreichen, Vorbild im öffentlichen Leben sind, gut mit der Politik vernetzt sind. Freifunk ist definitiv aus dem Status eines kleinen Garagenprojekts herausgewachsen und hat in der Politik an Relevanz gewonnen. Freifunk steht für freie, offene Netze, die jeder ohne Hürde benutzen kann!

Natürlich gibt es auch Gruppen, für die die Nachteile der freien Netzen überwiegen. Vor allem sind das Verwertertungsgesellschaften von großen Musiklabels oder der Fernsehindustrie. Sie wollen den Status quo der prä-vernetzten Zeit unbedingt erhalten. Definitiv sollten Künstler, Musiker und Filmemacher für ihre Arbeit entlohnt werden, doch beispielsweise das Aufkommen von Spotify und Co. hat gezeigt, dass auch neue Geschäftsmodelle mit dem Internet aufkommen. Diese Geschäftsmodelle haben schließlich dazu geführt, dass das illegale herunterladen von Musik stark zurückgegangen ist.

Insgesamt bieten die freien Netze große Chancen. Für uns alle.

Die Politik nimmt schließlich das auf, was man an sie heranträgt. Wie soll sich unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren entwickeln? Dass es digital werden soll, ist uns allen irgendwie klar. Aber wie soll diese digitale Gesellschaft funktionieren? Soll es ein Zeitalter der Überwachung sein? Oder ein Zeitalter, in dem wir unsere Freiheit feiern? Zugegeben. Das sind schon sehr große Fragen, die wir sicherlich nur in einer langen gesellschaftlichen Entwicklung entscheiden können. Aber einen kleinen Teil können wir schon mal leisten. Verwertungsgesellschaften haben Mitarbeiter, die sich den Lobbyismus auf die Fahne geschrieben haben. Lobbyismus in sich ist nicht schlecht. Es ist zentraler Bestandteil der Demokratie. Nur wenn er einseitig ist und nicht alle Gruppen ihre Fürsprecher haben, dann wird's gefährlich. Sei also Lobbyist für Freifunk und erzähle deinem Politiker, dass du Freifunk toll findest, und dass er Freifunk unterstützen soll.

Weitere Möglichkeiten:
  • Stelle einen Antrag in deinem Stadtbezirk, einen öffentlichen Platz mit Freifunk auszustatten.
  • Bewege die Stadt Hannover dazu, sich mit Freifunk Hannover anzufreunden.
  • Schreibe deinem Abgeordneten eine Mail.
  • Twittere deinem Abgeordneten, dass er mal was für Freifunk tun soll.
  • Mache Vorträge über Freifunk.

Du bist kreativ?

Falls du Lust hast, etwas aufwendigere Projekte in die Hand zu nehmen, dann haben wir hier eine Liste von Punkten, die immer wieder gerne gemacht werden können:

  • Designe Flyer, die Freifunk erklären.
  • Überlege was dich an unserer Webseite stört.
  • Schreibe Blogartikel, die den Gedanken von Freifunk erklären.

Du lötest gern?

Wie wäre es mit einem Solarrouter? Oder ein Router, der Sensordaten aufzeichnet.

  • Triff dich mit anderen Freifunkern und tausch dich über dein Projekt aus.
  • Dokumentiere dein Projekt hier im Wiki, sodass Andere es nachbauen können.

Du probierst gern neue Software aus und testet die neuen Features?

Wie bei jedem Projekt, das mit Software agiert, gibt es immer mal wieder neue Versionen. Bist du jemand, der einfach nur will, dass alles funktioniert? Dann solltest du vielleicht kein "Beta-Tester" werden. Wenn du aber gerne mal neue Funktionen als erster austestest, um direkt Bescheid zu wissen, wie man sie bedient, oder was es neues gibt, dann ist dieser Punkt hier goldrichtig für dich.

  • Gehe in den Config-Mode deines Routers und stelle den Firmware Zweig oder "Branch" auf "Experimental". Gibt es neue Features, die wir Testen wollen, dann werden wir sie hier zum testen etwa eine Woche vorher veröffentlichen.
  • Subscribe dich unserer Experimental-Mailinfo-Liste, um darüber informiert zu werden, wann dein Router eine neue Version bekommen hat.
  • Falls es Probleme mit dem Update gibt, dann gerne Bescheid sagen.
  • Ihr helft uns in großem Maße. Wer will schon auf ~1000 Geräte in Hannover ungetestete Software verteilen? Wir nicht.

Du programmierst gerne?

Auch wenn wir als Routerbetriebssystem eine Software benutzen, die wir maßgeblich nicht selbst entwickeln, gibt es viel zu programmieren. Nahezu jede Software, die wir benutzen, stammt aus der OpenSource-Welt. Nicht jede Software kann schon das, was wir benötigen. Also muss man selbst etwas programmieren. Hier findest du ein paar Beispiele, was wir so programmieren:

  • Schon mal in C programmiert? Ein Großteil der Software auf unseren Freifunkroutern wird in C geschrieben. Gute C-Entwickler werden nicht als solche geboren. Fange klein an und verbessere eine Kleinigkeit im Code von einem der zahlreichen Daemons, die wir in der Routersoftware einsetzen. Man lernt eine Menge über C, auch über Linux und über betriebssystemnahe Programmierung.
  • Lust auf Serveranwendungen, die etwas weniger hardwarenah und kleinfrickelig sind? Wir haben auch eine Menge an Projekten, die in JavaScript, Python, Go oder ähnlichem geschrieben sind.
  • Es gibt auch einige Ideen, für die bisher noch keine Umsetzung vorhanden ist. Die Wahl der Programmiersprache wäre hier also komplett frei.
  • Außerdem gibt es eine Menge an Tools und Skripten, die wir so im täglichen Leben brauchen. Programmiersprachen: Python, Shell. Sprich unseren Skriptfachmann Raute an.

Wie kann ich akut loslegen?
  • Sprich Leo auf einem Treffen an, was es so an Issues in der Freifunkfirmware gibt, die gelöst werden wollen.
  • Sprich Leo auf einem Treffen an, was wir immer schon mal programmieren wollten, aber noch nicht geschafft haben.
  • Schau im IRC aka Webchat vorbei und frage, was so programmiert werden will.
  • Eine Weboberfläche auf der Beta-Tester sagen könnten, dass sie fertig getestet haben, wäre cool. Wenn der Test ansteht vielleicht eine EMail-Benachrichtigung?
  • Setz dich zu Raute auf einem Treffen und bastel mit ihm an einem coolen Skript für $Aufgabe.

Kümmerst du dich gerne um Webdienste?

Wir müssen im Freifunk einiges an Infrastruktur bereitstellen, die irgendwie verwaltet wird. Hast du Erfahrung mit Linux, Wikis, Webanwendungen, Ansible, Salt, Gitlab, Gitolite? Setzt du gerne deine Owncloud oder Nextcloud selbst auf? Dann ist dieser Punkt hier richtig für dich.

Da wir hier in einem kleineren Team von Menschen arbeiten, die die Server bereitstellen, müssen wir uns gemeinsam organisieren. Als Organisationsstruktur haben wir Ansible gewählt. Es handelt sich dabei um ein Konfigurationsautomatisierungssystem, das wir benutzen, um unsere Konfigurationen zu dokumentieren. Falls du keine Ahnung hast, was das ist, ist das nicht weiter schlimm, wenn du schon ein paar Anwendungen auf einem Server installiert hast und Spaß daran hast. Ansible ist im Prinzip nichts anderes als, die Kommandos, die du beim Installieren normalerweise manuell tippen würdest, in eine Textdatei zu schreiben und automatisiert ablaufen zu lassen.

Warum der ganze Aufriss? Mit der Zeit sammelt sich einfach eine Menge an Konfiguration, die ein Einzelner nicht mehr überblicken kann. Außerdem besitzen wir mehrere Server, wo Aufgaben und Jobs auch mal von einem System auf ein anderes migriert werden wollen. Nicht sicher ist, ob Ansible da die beste Lösung ist. Es ist aber nun mal unsere Lösung.

Was wir so an Software nebenbei einsetzen:
  • Foswiki
  • Meshviewer (unsere Karte)
  • Freifunk Firmware Downloader (gluon-firmware-wizard)
  • Yanic (Backend für unsere Freifunk Karte)
  • nginx (Webserver)
  • grafana (Statistiken)
  • prometheus (Monitoring)

Was kannst du konkret machen:
  • Komm zum Freifunk-Treffen.
  • Bring deinen Laptop mit.
  • Denk dir aus, welche Infrastruktur wir noch gebrauchen könnten?
    • Vielleicht endlich mal eine NextCloud?
    • Vielleicht ein anderer cooler Dienst?
  • Lass dich von Olli in die bestechend simplen Magie von Ansible einführen und lerne diese Magie danach zu lieben.

Du möchtest gerne wissen, wie Netzwerke wirklich funktionieren?

Du studierst Informatik? Oder hast es später mal vor? Oder hast einfach nur so Spaß an Netzwerken? Was du vielleicht bisher kennst, sind Netzwerke in hierarchischen Strukturen. IP-Adresse, Netzmaske und ein Default-Gateway. Diese Themen kommen dir bekannt vor? Aber wie geht's eigentlich dahinter weiter? Was unterscheidet noch gleich den DHCP- von dem DNS-Server? Und das ist erst die Oberfläche von der ganzen Story.

Da die Setups im Freifunk teilweise recht komplex sind, lernt man sehr viel Interessantes über Netzwerke. Wusstest du schon, dass Linux mehrere Routing-Tabellen verwalten kann? Oder dass in einen Linux-Kernel sogar mehrere TCP-IP-Stacks passen? Im Freifunk werden teils sehr viele unterschiedliche Schichten von Paketen in einander eingepackt und wieder versendet. Wenn man verstanden hat, wie all diese Dinge zusammenspielen, dann hat man quasi das Internet verstanden.

Software zum Betrieb des Netzes:
  • isc-dhcp-server (DHCP)
  • radvd (IP-Adressverteilung für IPv6)
  • unbound (DNS)
  • nsd (DNS)
  • batman-adv (Routing)
  • fastd (VPN)

Was kannst du tun:
  • Komm zu einem Freifunk treffen und lass dir erklären, welchen Weg ein Paket vom Router bis zum Exitnode ins Internet geht. Du wirst staunen, wie häufig das Paket weiterverarbeitet werden muss.
  • Experimentier mit dem Routing-Protokoll "babel". Es ist sehr leicht zu bedienen und stellt eventuell die Zukunft unserer Firmware da.
  • Baue ein Mesh mit LEDE oder OpenWRT und beispielsweise USB-WLAN-Karten auf.
  • Helfe bei dem Subprojekt von Gluon, das die Skalierungsprobleme vom batman-adv Protokoll durch babel beheben will.
  • Lerne die Technologien des Internets im DN42 kennen: https://dn42.eu/Home

Du bist ein Cafebetreiber, der Freifunk zwar toll findet, aber zu wenig Zeit hat, selbst etwas zu tun?

Freifunk ist die einfachste und günstigste Art, deinen Gästen Internet zu Verfügung zu stellen. Kein Passwort, keine Vorschaltseite, keine Zwangslikes bei Facebook, keine Anmeldung. Und für dich: kein Haftungsrisiko. Deine Gäste werden es dir danken.

  • Informiere deine Gäste über dein Freifunk Angebot
  • Sprich mit anderen Gastronomiebetreibern aus deinem Bekanntenkreis und erkläre Ihnen, was Freifunk ist und wie einfach es einzurichten ist
  • Leg Freifunk Flyer oder Aufkleber bei dir aus (bei uns erhältlich)
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